Montag, 20. Oktober 2014

Story: Der Baum Teil 1

Seit ich mich erinnern kann hatten wir diesen Baum in unserem Garten. Er passte nicht dahin. Meine Mutter liebte diesen Garten und hat sich immer liebevoll um ihn gekümmert. Überall wuchsen Blumen: Rosen, Hortensien, Tulpen und viele mehr, von denen niemand wirklich wusste wie sie hiessen. In unserem Garten blühte immer irgendetwas. Sogar in tiefstem Winter. Es war egal wie viel Schnee es hatte oder wie kalt es war. In unserem Garten gab es immer noch viele farbenprachtige Blüten. 
Unsere lange Auffahrt war gesäumt mit Palmen und der erste Blick, den man auf unser Haus erhaschen konnte, war atemberaubend. Wir lebten in einem grossen, weissen Haus und auf jedem Fenstersims war ein Blumentopf mit noch mehr Blumen. Alles blühte und war hell und freundlich in Mansfield Park. Ja, unser Garten war wohl doch schon eher ein Park. 
Aber dann war da dieser Baum. Er war gross und dunkel, ohne jede Blüte oder auch nur ein Blatt an seinen uralten Ästen. Er stand im hinteren Teil des Parkes. Da, wo ich als Kind eigentlich nicht hin durfte. 
Ich fand den Baum an meinem siebten Geburtstag. Meine Mutter war nicht da an diesem Tag und mein Vater hatte mich ignoriert, wie immer. Nur Lucia, unsere Köchin, hatte daran gedacht , mir einen Kuchen gebacken und neue Farbstifte geschenkt. Voller Freude hatte ich meinem Vater ein Bild von unserer Familie gezeichnet. Er hatte es zerrissen. Ich rannte weg. In den Teil des Parkes, in den ich nicht drufte. Direkt auf den Baum zu. Und er spendete mir Trost. Der Baum war anders und dunkel. Wie ich. Alle anderen Bäume hatten hellbraune Rinde und grünes Laub, ein oder zwei Früchte, vielleicht auch noch ein paar Blüten. Doch dieser Baum war schwarz und kahl. Mein Vater und meine Mutter hatten beide hellbraune Haare und Augen. Mein Haar war dagegen schon immer schwarz und meine Augen grau. Ich hatte die Augen meiner Grossmutter geerbt. Das machte das ganze nicht besser, denn mein Vater hasste seine Eltern abgrundtief. 
Der Baum erinnerte mich immer wieder daran, dass man auch gross und stark werden konnte, wenn man anders war, als alle anderen um einen herum. Der Baum half mir mich zu akzeptieren so wie ich war. 
Der Baum half mir durch meine Teenagerjahre bis jetzt. Ich weiss nicht, ob mir der Baum jetzt noch weiterhelfen kann. Oder wird. 
Mein Leben hat sich drastisch verändert in den letzten 24 Stunden. Was soll ich mit meiner neu gewonnenen Freiheit machen? Wohin wird mich die Zukunft führen? Wie werde ich überhaupt überleben können? 



PS: Ganze Story wird immer wieder unter der Seite "Der Baum" aktualisiert!;-D

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